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Krawallschwalben fliegen auf G20

Meine Reportage berichtet ausschnitthaft über Episoden, die ich am 06. und 07. Juli  auf Gegenveranstaltungen des G20 Gipfels in Hamburg erlebt habe. An dem Tag habe ich mich von der Kraft der Ereignisse treiben lassen und versucht aufzunehmen, was gerade passiert. 

 

Die Ästhetik des Widerstandes oder: Wenn Krawallschwalben fliegen

„Du schwitzt ja wie ein Schwein, Bulle!“, plärrt ein mittdreißiger Demonstrant in kurzen Hosen den Beamten an, der in voller Montur und Helm einen halben Meter vor ihm steht. Der bleibt ungerührt und hat die lauter werdende Menge im Visier. In der untergehenden Abendsonne Hamburgs stehen auf dem lauschigen Hein-Köllisch-Platz, im Schatten der Kirschbäume etwa 100 Personen, die jetzt auch mitbekommen haben, dass hier ungestraft Polizisten angebrüllt werden können.

Der Platz ist 300 Meter Luftlinie von den Landungsbrücken und der Hafenstraße entfernt, wo einige Minuten zuvor eine Demonstration außer Kontrolle geraten war. Dabei kamen Wasserwerfer zum Einsatz und Pfefferspray. Einige Radikale flohen vor dem Polizeieinsatz über Treppen und durch enge Gassen auch über den Hein-Köllisch-Platz. Um zu verhindern, dass diese Leute zurücksickern in die Zone um die Hafenstraße, waren hier kleine Einheiten der Polizei an den Zugängen des Platzes abgestellt.

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Die Rechte floppt in Karlsruhe

Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ provoziert in Karlsruhe massive Gegenwehr aus vitalem Bürgerprotest über alle Generationen und Parteigrenzen hinweg

 

Turnusgemäß demonstriert am 03. Juni die Partei „Die Rechte“. In diesem Jahr in der deutschen Hauptstadt des Rechts, in Karlsruhe. Die 2012 gegründete und unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehende rechtsextreme Kleinpartei plant hier unter dem Vorsitz von Christian Worch ihren mittlerweile neunten „Tag der deutschen Zukunft“ abzuhalten.

Es sollten hier im deutschen Süden alle Zutaten für einen heißen Samstag zusammenkommen. 900 Sympathisanten der Rechten wurden erwartet. Die Linke, der DGB, die Arbeiterwohlfahrt und lokale Gruppen haben zu Gegenveranstaltungen unter dem Motto: Bunt statt Braun, aufgerufen. Die Sicherheitsbehörden ziehen 3.000 Beamte aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen. Ladenbesitzer vernageln Tage vor dem Event ihre Schaufenster aus Angst vor Randale.

Es stellt sich heraus, dass das Wetter das einzige Heiße an diesem Tag ist: 30 Grad und Sonne, fast ohne Unterbrechung. Am Bahnhof Karlsruhe-Durlach, wo die Demonstration der Rechten startet und nach einem „Marsch“ entlang des Durlacher Altstadtkerns wieder zurückkehren sollte, ist Party. Auf dem Vorplatz des Bahnhofes, der an anderen Tagen Parkplatz und Busbahnhof ist, bauen die Bunten eine Bühne für Redner und Musiker auf. Tausende Karlsruher aller Generationen kommen hier mit witzigen und vielen selbst gestalteten Transparenten zusammen. Gemeinsam feiern sie gegen Hass und Rassismus.

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FRANCE 4.0: Macron wird Präsident

Eine weitere Foto-Reportage, die ich in Wort und Bild auf dem in fünf Sprachen erscheinenden Organ der „Jungen Europäischen Föderalisten“, TREFFPUNKT EUROPA, veröffentliche, behandelt den 07. Mai 2017 in Paris. An diesem Tag wurde Emmanuel Macron mit überwältigender Mahrheit in einer Stichwahl gegen die rechtsextreme Marine Le Pen zum französischen Präsidenten gewählt.

 

Weiter hinten auf dem Place de la République spielt das Orchestre Debout (Orchester der Aufrechten) Maurice Ravel`s Boléro, während vorne enthüllt wird, was wirklich läuft. Ob man es nicht mitbekäme in Deutschland, dass Frankreich, ach was, ganz Europa von einer Mafia regiert wird. Bei den Anti-Faschisten der No Pasaran-Bewegung in Paris hatten Verschwörungstheorien am Tag vor der Präsidentenwahl Konjunktur. Die meisten der anwesenden Demonstranten werden wohl ungültig oder gar nicht wählen.

Dieser erste Sonntag im Mai sollte für ganz Europa ein wegweisender sein, hieß es im Vorfeld der Wahl. Ein Hauch von historisch lag in der Luft. Und Drama. Die Präsidentenwahl des Jahres 2017 in Frankreich war beides, aufgeladen mit allerhand Heilserwartungen und durchdrungen von düsteren Untergangsszenarien. Würde es einer der liberaleren Kandidaten schaffen, den rechten Ruck zu dämpfen, der Europa seit einigen Monaten wie ein seismisches Beben durchgeschüttelt hat? Oder würde Marine Le Pen rechtsnationalen Extremismus in einer der Welt-Ur-Demokratien im Rang eines Staatslenkers installieren?

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Institutionen der Europäischen Union

Ist die Europäische Union attraktiv genug damit im Angesicht ihrer Probleme ihre Bindungskraft den Fliehkräften standhält? Einer Einladung des fünfsprachigen, aus Brüssel finanzierten Online Magazins der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF), bin ich gerne gefolgt und habe dort den folgenden Artikel in Wort und Bild veröffentlicht.

 

Jochen Sand ist Fotograf in Karlsruhe. Um die Kraft zu erkunden, die im Versprechen von Europa liegt, hat er sich auf den Weg gemacht und die Institutionen der Europäischen Union von Brüssel über Frankfurt, Luxemburg bis Straßburg, fotografiert.

Im vergangenen Jahr habe ich mich mit Martin Schulz in Verbindung gesetzt, der zum damaligen Zeitpunkt noch Vorsitzender des Europäischen Parlamentes gewesen war. Mein Anliegen, ihn für ein Europa-Projekt als Fürsprecher zu gewinnen, war nicht leicht zu platzieren zwischen nachrichtlichen Großereignissen des Jahres 2016, wie Brüssel, Böhmermann, Panama, Nizza…

Dann auch das noch: Die Briten wählen den Brexit! Eine ultimative Zäsur.

Ich hatte Schulz geschrieben, um meinen proeuropäischen Tatendrang zu kanalisieren und im Rahmen meiner Möglichkeiten als Fotograf einen Beitrag im Hinblick auf ein positives Erleben der Europäischen Union zu leisten. Mein Eindruck von Schulz ist der eines aufrichtigen, warmherzigen und engagierten Politikers, der seine humanistischen Überzeugungen in seine Arbeit einbringt und oft mit gegenläufigen Interessen anderer Politiker ringt. Das ist in einem Betrieb, in dem viele Menschen mit unterschiedlichen Mandaten und Überzeugungen zusammenkommen und Kompromisse verhandeln sollen, nichts Außergewöhnliches.

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